Mathys Orthopädie –Keramikfertigung aus Hermsdorf und Umgebung

von Jessica Fischer

Mathys Medical ist ein international aufgestelltes, familiengeführtes Unternehmen mit Hauptsitz in Bettlach in der Schweiz. Warum ist der Standort Hermsdorf/Mörsdorf für Mathys strategisch wichtig?

Die beiden Standorte Hermsdorf und Mörsdorf sind für uns aufgrund der Vernetzung im Bereich der metallischen und keramischen Implantatentwicklung und -fertigung wichtig. Die Synergien am Standort insbesondere mit dem Fraunhofer IKTS, vormals HITK, die Teilnahme an großen geförderten Verbundvorhaben zwischen Forschungs- und Industrieeinrichtungen haben uns in den vergangenen Jahren ermöglicht, neue keramische Werkstoffe zu entwickeln. Seit Mitte der 2000er Jahre wirkten wir in den Wachstumskernen fanimat/ fanimat nano mit, die vom HITK initiiert wurden. Viele Firmen des jetzigen TRIDELTA CAMPUS waren ebenfalls Partner in den Forschungsvorhaben. Innerhalb dieser Wachstumskerne entwickelten wir ab 2007 zwei neue Werkstoffe für unsere keramischen Implantatkomponenten. Mit diesen neuen Produkten konnte unser Unternehmen weiters Wachstum generieren und die Marktposition stärken.

Wo sehen Sie Ihren USP? Was unterscheidet Sie von anderen Medizintechnikunternehmen auf dem Gebiet der Orthopädie?

Mathys hat national und international eine große Zahl von Mitbewerbern auf dem Gebiet der Herstellung und dem Vertrieb von Implantaten für die Gelenkendoprothetik. Diese Unternehmen fertigen die von ihnen vertriebenen Keramikimplantate jedoch in den meisten Fällen nicht selbst, sondern beziehen diese von Keramikunternehmen. Mathys ist eines der wenigen Unternehmen, welches seine Keramikkomponenten in house herstellt. Wir haben bzgl. Keramik keinerlei Abhängigkeiten von Lieferanten. Die gesamte Keramikfertigung liegt in eigener Hand und hat für Mathys eine immense strategische Bedeutung.

Darüber hinaus hat Mathys im Rahmen von fanimat nano eine hochzirkonhaltige ATZ-Keramik entwickelt, die mechanisch beste Eigenschaften aufweist im Vergleich zu den aktuellen Standard-ZTA-Keramiken. Daraus ergibt sich ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für Mathys, da wir der einzige Implantathersteller sind, der eine derartige Keramik im Portfolio hat. Weltweit gehören wir inzwischen zu den Top drei hinsichtlich der Stückzahl gefertigter Keramikkomponenten für die Gelenkendoprothetik.

Welche spezifischen Vorteile bietet der Werkstoff Keramik in der Orthopädie?

Die Oxidkeramiken gehen keinerlei Reaktion mit dem Körper oder Körperflüssigkeiten ein. Sie sind besonders biokompatibel. Ein metallisches Implantat besteht in der Regel aus einer Cobalt-Chrom-Molybdän-Legierung. Diese Legierungsbestandteile lösen sich z.T. auf. Auch wenn das in sehr geringen Mengen abläuft, lagern sich diese Teile im Körper ab und können zu entzündlichen und allergischen Reaktionen führen. Das ist bei den Keramiken nicht der Fall. Die sehr harten Keramiken erzeugen in der Anwendung kaum Abrieb, der sich im Körper ablagern kann.

Sie befassen sich mit künstlichem Gelenkersatz für Knie, Hüfte und Schulter. Mit ligamys, einer Methode zum Erhalt des vorderen Kreuzbandes, sind Sie auch in der Sportmedizin tätig. An welchen Produkten arbeiten und forschen Sie aktuell? Worauf legt Mathys seinen Fokus in der Zukunft?

Mathys legt seinen Fokus auf den traditionellen Bereich der Gelenkendoprothetik, d.h. die großen Gelenke: Hüfte, Knie, Schulter. Im Bereich der Hüftendoprothetik haben wir in den letzten Jahren den sehr erfolgreichen Kurzschaft „optimys“ entwickelt und im Markt eingeführt - und dieser hat die Anforderungen der klinischen Anwender sehr gut getroffen. Hier können wir eine sehr positive Entwicklung bzgl. der Absatzzahlen und Marktdurchdringung verzeichnen.  Für den operierenden Arzt sind der Hüftschaft und die Hüftpfanne entscheidend. Fragen, wie gut diese miteinander harmonieren, wie gut und sicher er sie verankern kann, welche Langzeitstabilität die Komponenten im Körper haben, beschäftigen den Arzt. Wichtig ist zudem auch, welche Instrumente gibt der Hersteller dem Operateur an die Hand, um die Komponenten bestmöglich implantieren zu können. Mathys arbeitet auch zukünftig daran, um auf diese Fragen mit idealen Lösungen antworten zu können.

Darüber hinaus ist es ein Ziel, bestehende metallische Komponenten durch Keramiken zu ersetzen, da diese weniger Abrieb verursachen. Z.B. im Bereich der Knie- und Hüftendoprothetik. Aber wir wollen uns auch auf der Werkstoffebene weiterentwickeln und unsere ATZ-Keramik ceramys weiter optimieren.

Welchen Herausforderungen muss sich Mathys aufgrund der Corona-Pandemie aktuell stellen und was unternehmen Sie, um diese Herausforderungen zu bewältigen?

Unsere größte Herausforderung stellen die in einigen Phasen der Pandemie sinkenden Implantationszahlen dar. Seit Beginn der Pandemie werden die planbaren OPs, zu denen in der Regel ja auch Hüft-, Knie- und Schulter-OPs zählen, zeitweise deutlich reduziert, um Kapazitäten in Krankenhäusern frei zu halten. Dies führte teilweise zu Absatz- und Umsatzrückgängen in einigen Ländern, in denen unsere Produkte verkauft und eingesetzt werden. Wir haben auch vom Mittel der Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Das hilft uns sehr. Wir konnten bisher einen Stellenabbau komplett vermeiden. Darüber hinaus haben wir ein Hygienekonzept eingeführt, wir haben unsere Schichten zeitlich entzerrt, alle Mitarbeiter im nicht-produktiven Bereich arbeiten seit Monaten im Home-Office. Im Vergleich zu anderen Wettbewerbern sind wir bisher gut durch die Pandemie gekommen, sicher auch weil wir international aufgestellt sind und die verschiedenen Länder unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen sind.

Mathys Orthopädie ist Mitglied im TRIDELTA CAMPUS Hermsdorf. Welche Vorteile sehen Sie durch die Standortinitiative?

Wir waren erst zwei Jahre nur Fördermitglied, weil wir uns erstmal einen Eindruck davon verschaffen wollten, welchen Mehrwert uns eine vollwertige Mitgliedschaft am TRIDELTA CAMPUS bietet. Es hat sich dann aber herausgestellt, insbesondere durch das SAPHIR-Förderprojekt, dass es unglaublich wichtig für uns ist, den engen und regelmäßigen Kontakt zu den anderen Unternehmen am Standort zu haben. Ohne die gemeinschaftlichen Förderprojekte wäre unsere Werkstoffentwicklung so nicht möglich gewesen. Ohne die Synergien am Standort wären wir bei weitem nicht da, wo wir aktuell sind. Zudem profitieren wir ungemein vom wachsenden Standort in Hermsdorf, z.B. im Bereich Arbeitskräftegewinnung. Der TRIDELTA CAMPUS setzt sich in Thüringen und darüber hinaus dafür ein, dass die Keramik mehr Gewicht bekommt. Es ist das Ziel des CAMPUS bis 2030 europäisches Zentrum für Hochleistungskeramik zu werden. Dieses Ziel und alle Handlungen die dorthin führen, entsprechen auch dem, was wir anstreben. Wir wollen weiterwachsen, unsere Werkstoffe und Produkte weiter verbessern und das geht am besten im Verbund.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre? Wie wird sich Mathys an den Standorten Hermsdorf und Mörsdorf weiterentwickeln?

Mathys wird sich in Thüringen vergrößern. Wir haben ein Grundstück in der Nachbargemeinde Bollberg erworben. An beiden Standorten, sowohl in Hermsdorf als auch in Mörsdorf haben wir die Grenze unserer Flächenkapazitäten erreicht. Wir planen einen Neubau für die Keramikfertigung. Entsprechend unserem Wachstum werden wir so in der Lage sein, höhere Stückzahlen zu produzieren. Damit bringen wir auch zum Ausdruck, dass wir die Standorte in Thüringen langfristig sichern. Dieses Wachstum geht natürlich auch mit der Aufstockung von Arbeitsplätzen einher.

Was können Sie zukünftigen Bewerbern über die Unternehmenskultur und die Arbeit bei Mathys sagen? Warum ist es attraktiv, bei Mathys zu arbeiten?

Mit der Gelenk-Endoprothetik bewegen wir uns in einem wachsenden Geschäftsfeld. Die Mathys AG wächst in den letzten Jahren kontinuierlich, sowohl was Mitarbeiterzahl als auch Umsatz angehen. Wir haben einen sehr modernen Maschinenpark. Unsere Mitarbeiter können bei uns sehr anspruchsvolle, körperlich leichte Tätigkeiten an neuen Automaten in einem sauberen Umfeld ausführen. In vielen Bereichen bieten wir spannende Aufgaben mit Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter sich bei uns wohl fühlen. Wir haben ein sehr positives Betriebsklima, nahezu ohne Abteilungsdenken. Wir zahlen attraktive Gehälter. Unsere geringe Fluktuation spricht für sich. Knapp 30 von 94 Mitarbeitern sind länger als zehn Jahre im Unternehmen.

Ich bedanke mich für das Interview! Ich wünsche Ihnen und Mathys alles Gute für die Zukunft und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit am TRIDELTA CAMPUS.

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